Fragen und Antworten

Die Gletscher-Initiative fördert Diskussionen rund ums Thema Klima. Im Q&A findest du Antworten auf zahlreiche Fragen wie z.B. «Warum müssen die CO2-Emissionen im Jahr 2050 null erreichen?» oder «Welche Treibhausgase gibt es?». 

Du kannst das Q&A durch das Auswählen von Kategorien durchforsten oder die Volltextsuche nutzen, wenn du nach einem bestimmten Stichwort suchst.

Worum geht es?

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Initiative Klimawissen

Der Klimawandel bedroht das Überleben der menschlichen Zivilisation auf unserem Planeten. So gesehen: Es geht um alles. Der Spezialbericht des Weltklimarats IPCC vom Oktober 2018 hat gezeigt: Wenn sich das Klima nur schon um 2 Grad erwärmt, fallen die negativen Folgen bereits weit gravierender aus als bei einer Erwärmung um 1,5 Grad (die bisherige Erwärmung liegt bei 1 Grad). Gegenwärtig sind aber die meisten Staaten – darunter die Schweiz – auf einem Kurs, der auf 3, 4 oder mehr Grad Erwärmung hinausläuft. Die Schweiz kann die Klimaerwärmung nicht alleine aufhalten. 2015 haben die Uno-Mitgliedstaaten das Übereinkommen von Paris verabschiedet. Nun geht es darum, das Vereinbarte in den einzelnen Staaten umzusetzen: Bis 2050 müssen die Treibhausgasemissionen – netto – auf null sinken. Bis dann muss somit auch die Ära der fossilen Energie beendet werden. Das ist die zentrale Forderung der Gletscher-Initiative. Nähmen Bundesrat und Parlament das Abkommen ernst, wäre unsere Volksinitiative nicht nötig.

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Was fordert die Gletscher-Initiative?

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Initiative Klimawissen

Die Treibhausgasemissionen der Schweiz müssen bis spätestens 2050 auf – netto – null sinken. Konsequenterweise muss auch die Nutzung fossiler Brenn- und Treibstoffe bis spätestens 2050 aufhören. Ausnahmen sind möglich, wo es keine technischen Alternativen gibt – sofern die dadurch verursachten CO2-Emissionen durch Senken kompensiert werden. Schliesslich verlangt die Initiative, dass die Klimapolitik so umgesetzt wird, dass sie sozialverträglich ist und die Volkswirtschaft stärkt. Die notwendige Transformation ist auch eine Chance für Wirtschaft und Gesellschaft – wenn man sie denn nutzt.

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Welche Treibhausgase gibt es?

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Initiative Klimawissen

Das wichtigste der vom Menschen verursachten Treibhausgase ist CO2. Es macht weltweit zwei Drittel, in der Schweiz vier Fünftel der Emissionen aus. Es entsteht, wenn fossile Energieträger verbrannt werden – also Erdöl, Erdgas oder Kohle – sowie bei Rodungen und bei der Trockenlegung von Feuchtgebieten. CO2 entsteht ausserdem bei gewissen industriellen Prozessen, vor allem in der Zementproduktion. Vor allem die Landwirtschaft setzt die Treibhausgase Methan (CH4) und Lachgas (N2O) frei. Ferner gibt es synthetische Gase, die als Treibhausgase wirken. Und schliesslich wirkt auf der Flughöhe von Flugzeugen auch Wasserdampf als ein anthropogenes Treibhausgas. Auf dieser Höhe fliegen Flugzeuge. Die verschiedenen Treibhausgase wirken unterschiedlich stark. Man rechnet sie in CO2-Äquivalente um, um ihre Treibhauswirkung vergleichbar zu bezeichnen.

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Was bedeutet «netto null» und was ist eine Treibhausgassenke?

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Initiative Klimawissen Netto-Null

Die Umweltwissenschaften sprechen von «Quellen» und «Senken»: Alles, was Treibhausgase ausstösst, ist eine Quelle. Alles, was Treibhausgase aus der Atmosphäre entfernt, ist eine Senke. Senken sind beispielsweise Wälder, deren Biomasse zunimmt, oder Böden, deren Humusanteil steigt. Es ist aber auch denkbar, CO2 in künstlichen Senken zu entsorgen – beispielsweise in leeren Erdgaslagerstätten. Wenn die Menschheit gleich viele Treibhausgase ausstösst, wie die Senken der Atmosphäre zu entziehen vermögen, liegt der Ausstoss netto bei null. Doch das Potenzial natürlicher Senken ist begrenzt, und künstliche Senken sind in grossem Stil noch nicht erprobt. Es wäre fahrlässig, weiterhin aus fossile Energien zu setzen in der Hoffnung, das ausgestossene CO2 lasse sich in Zukunft durch irgendwelche Senken wegzaubern.

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Was bedeutet die Klimaerwärmung für die Schweiz? Und für die Welt?

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Klimawissen

In der Schweiz ist die Durchschnittstemperatur bisher doppelt so stark gestiegen wie weltweit. Die Auswirkungen sind vielfältig – Hitzesommer wie 2018 oder 2003 haben einen Vorgeschmack gegeben. Deutlich mehr Hitzetage führen zu vorzeitigen Todesfällen. Auftauende Böden im Hochgebirge sind weniger stabil, es kommt zu mehr Erdrutschen und Bergstürzen. Der Fichte wird es zu warm, Schutzwälder sind gefährdet. Die Gletscher schwinden und können nicht mehr als Wasserspeicher dienen. Die Landwirtschaft kämpft mit längeren Trockenperioden; Schädlinge vermehren sich stärker. Je wärmer es wird, desto schwieriger und teurer wird es, sich daran anzupassen.In der Schweiz ist die Durchschnittstemperatur bisher doppelt so stark gestiegen wie weltweit. Die Auswirkungen sind vielfältig – Hitzesommer wie 2018 oder 2003 haben einen Vorgeschmack gegeben. Deutlich mehr Hitzetage führen zu vorzeitigen Todesfällen. Auftauende Böden im Hochgebirge sind weniger stabil, es kommt zu mehr Erdrutschen und Bergstürzen. Der Fichte wird es zu warm, Schutzwälder sind gefährdet. Die Gletscher schwinden und können nicht mehr als Wasserspeicher dienen. Die Landwirtschaft kämpft mit längeren Trockenperioden; Schädlinge vermehren sich stärker. Je wärmer es wird, desto schwieriger und teurer wird es, sich daran anzupassen.

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Warum müssen die CO2-Emissionen im Jahr 2050 null erreichen?

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Initiative Klimawissen Netto-Null

Soll die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden, müssen die vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen bis 2050 weltweit auf null sinken. Das geht aus dem im Oktober 2018 präsentierten Spezialbericht des Weltklimarats IPCC hervor. Die Schweiz als reiches Land ist verpflichtet, klimapolitisch voranzugehen. Unsere Emissionen müssen deshalb spätestens 2050 netto null erreichen.

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Muss man die fossilen Energien gleich verbieten? Reicht es nicht, sie zu reduzieren?

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Initiative Klimawissen

Es gibt kein klimaverträgliches Emissionsniveau. Die Klimawissenschaften rechnen heute mit «Budgets». Die Budgets bezeichnen die Menge Treibhausgase, die noch in die Atmosphäre gelangen darf, um die Erwärmung mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf ein gewisses Mass zu begrenzen. Man findet heute oft noch die Aussage, eine Tonne CO2 pro Person und Jahr sei klimaverträglich. Diese Aussage ist wissenschaftlich überholt: nur nett null Emissionen (oder weniger) sind klimaverträglich.

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Warum kompensieren wir unsere Emissionen nicht im Ausland, wo es billiger wäre?

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Initiative

Zur Zeit ist es kostengünstiger, im Ausland Treibhausgase zu reduzieren als in der Schweiz. Ein internationaler Handel mit CO2-Reduktionen gilt als ökonomisch «effizient», weil er dafür sorge, dass zuerst da reduziert werde, wo es am wenigsten koste. Allerdings: Wir müssen alle Emissionen eliminieren, und die Zeit drängt. Wenn wir uns die Aufgabe jetzt leicht machen, indem wir Reduktionen im Ausland erwerben, statt selber zu handeln, wird es später nur umso schwieriger. Wenn die Schweiz heute im Ausland «kompensiert», statt die eigene Wirtschaft fossilfrei umzubauen, betreibt sie Strukturerhalt und schiebt die Verantwortung auf die kommende Generation ab.

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Welche politischen Instrumente gibt es, um das Ziel «netto null bis 2050» zu erreichen?

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Initiative Netto-Null

Als Ziel-Initiative gibt die Gletscher-Initiative die politischen Instrumente nicht vor: Das wird Sache des ausführenden Gesetzes sein. Einzig die Innovations- und Technologiepolitik ist in Absatz 4 explizit vorgesehen. Wir haben aber natürlich Ideen, wie sich die Gletscher-Initiative umsetzen lässt. Infrage kommen – neben der Technologiepolitik – Vorschriften für die Klimaverträglichkeit neuer Anlagen und Infrastrukturen, Lenkungsabgaben, Mengenbegrenzungen («Cap and Trade»), Effizienzstandards oder Anpassungen in Bereichen wie Energiepolitik, Landwirtschaftspolitik, Raumplanung. Vor- und Nachteile der jeweiligen Instrumente skizzieren wir im Erläuternden Bericht zur Gletscher-Initiative.

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Wie erreicht man netto null Emissionen bis 2050?

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Initiative Netto-Null

Niemand kann die Zukunft vorhersehen, aber es gibt einige konkrete Szenarien, wie eine klimaverträgliche Zukunft erreicht werden und wie sie aussehen könnte:
- Einen detaillierten politischen Massnahmenplan für die Schweiz hat die Klima-Allianz 2016 mit ihrem Masterplan vorgelegt: Masterplan Klimaallianz
- Ein Masterplan mit globalem Blick ist die Exponential Climate Action Roadmap von Future Earth Exponential Roadmap
- Auf den Energiesektor fokussieren Modellrechnungen des Computerwissenschafter Anton Gunzinger: Kraftwerk Schweiz
- Aus Frankreich stammt das Szenario Négawatt: Négawatt
- Die Gesellschaft radikaler neu zu denken wagt Rob Hopkins mit seinen Transition Towns: Transition Network sowie ähnlich für die Schweiz P.M. mit Neustart Schweiz: Neustart Schweiz
- Eine umfangreiche Sammlung klimaverträglicher Techniken in allen Bereichen bietet Drawdown (das Buch ist auch deutsch erhältlich): Drawdown

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Die Schweiz verursacht ein Promille der weltweiten Emissionen. Wenn wir unsere Emissionen auf null senken, bringt das gar nichts.

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Initiative Klimawissen

Die Zahl ist korrekt. Aber wenn alle ihre Emissionen auf null senken müssen, dann auch die Schweiz. Als reiches, innovatives Land haben wir rechtlich wie moralisch eine besondere Verpflichtung. Wir können entscheiden, ob wir ein Zeichen des Muts setzen wollen – oder eines der Feigheit. Ob wir den nötigen technologischen Umbau als Chance nutzen – oder den Zug verpassen. Die Begrenzung des Klimawandels ist auch eine Frage der Menschenrechte. Die Schweiz ist – als Sitzland des Roten Kreuzes, als Depositarstaat der Genfer Konventionen – stolz auf ihre humanitäre Tradition. Es stünde ihr schlecht an, ihre klimapolitischen Verpflichtungen nicht zu erfüllen. Und wenn die Schweiz Wege aufzeigt, wie die Transformation zu einer Welt ohne fossile Energien und ohne Treibhausgasemissionen gelingen kann, strahlt sie über die eigenen Grenzen aus.

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Aber die Schweiz ist doch bereits ein ökologisches Musterland!

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Initiative Klimawissen

Nein. Es gab eine Zeit – die 1980er Jahre –, da war die Schweiz umweltpolitische Vorreiterin. Aber davon ist wenig übrig geblieben. Betrachtet man die Emissionen pro Kopf, liegen Schweizerinnen und Schweizer ziemlich genau im globalen Durchschnitt. Betrachtet man aber, wieviele Emissionen der schweizerische Konsum weltweit verursacht, gehören wir zu den Ländern mit den höchsten Pro-Kopf-Emissionen überhaupt. Dass die Inlandemissionen nicht höher sind, ist nicht so sehr ein Verdienst der Schweiz, sondern vor allem darauf zurückzuführen, dass es in der Schweiz kaum Schwerindustrie gibt und dass die Stromproduktion dank der Berge vor allem mit Wasserkraft möglich ist.

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Die CO2-Gesetzes-Revision ist im Gange. Wozu braucht es die Gletscher-Initiative?

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Initiative

Nähme das Parlament das Pariser Übereinkommen, das es mit einer Zweidrittelsmehrheit ratifiziert hat, ernst, wäre unsere Initiative überflüssig. Aber das ist nicht der Fall. Derzeit berät das Parlament das CO2-Gesetz für die Periode 2021 bis 2030. So, wie es der Bundesrat vorschlägt, sollen die Emissionen in dieser Dekade um ein Prozent pro Jahr sinken müssen. Wenn man in drei Jahrzehnten netto null erreichen muss, müssten sie aber um gut 3 Prozent pro Jahr sinken. Der Nationalrat hat das Gesetz in seiner Erstlesung im Dezember 2018 noch abgeschwächt, um es schliesslich abzulehnen. Jetzt liegt der Ball beim Ständerat – voraussichtlich in der Somersession 2019.

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Kann man die Emissionen bis 2050 überhaupt auf netto null senken? Wie sieht eine Welt ohne Treibhausgasemissionen aus?

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Netto-Null

Zahlreiche wissenschaftliche Szenarien zeigen, wie der Ausstieg aus den fossilen Energien geschafft werden kann – auch wenn niemand weiss, welches Szenario eintreten wird. Es ist keine Frage der technischen Möglichkeit, sondern des politischen Willens. Es wird nicht leicht werden, den wichtigsten Energieträger aufzugeben und die Landwirtschaft so umzustellen, dass sie – idealerweise – der Atmosphäre CO2 entzieht, statt Treibhausgase zu produzieren. Die Welt wird eine andere sein. Aber es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es eine schlechtere Welt sein wird: Den nötige Wandel bietet Chancen – ökonomische Chancen, Chancen für die Gesellschaft – und natürlich für die Umwelt.

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Woher nehmen wir die Energie, wenn es kein Erdöl, kein Erdgas und keine Kohle mehr gibt?

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Netto-Null

Das Potenzial der erneuerbaren Energieproduktion ist enorm. Es muss jedoch nicht alle fossile Energie eins zu eins ersetzt werden: Intelligente Strukturen erlauben eine sparsamere und effizientere Energienutzung. Damit neue Energietechniken sich durchsetzen können, müssen Kapazitäten aufgebaut, Verbrauchsmuster geändert und die infrastrukturellen und institutionellen Voraussetzungen angepasst werden. Deshalb fordert die Gletscher-Initiative eine aktive Innovations- und Technologiepolitik.

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Was kostet das?

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Initiative Wirtschaft

2017 gaben Schweizerinnen und Schweizer 16 Milliarden Franken für fossile Energie aus. Das Geld fliesst in Länder wie Saudiarabien oder Russland. Der Umbau der Wirtschaft hin zu einer klimaverträglichen Wirtschaft wird zwar auch Geld kosten. Aber die Wertschöpfung wird zum grossen Teil in der Schweiz bleiben und schafft hier Arbeitsplätze. Die Kostenschätzungen gehen weit auseinander. Und nur schon in der Frage, wie man die Kosten überhaupt bemessen will, gibt es keinen Konsens. Sicher ist aber: Alle Massnahmen gegen den Klimawandel kosten weniger als das, was ein katastrophaler Klimawandel an Leid und Kosten verursacht. Anton Gunzinger hat ein Energiemodell durchgerechnet [Kraftwerk Schweiz]. Demzufolge kostet eine Energieversorgung, die ohne fossile und atomare Energie auskommt, bis 2050 1050 Milliarden Franken – wovon zwei Drittel im Inland bleiben. Der Erhalt des Status Quo kostet dagegen 1790 Milliarden, wovon nur 500 Milliarden in der Schweiz blieben. Das Modell Gunzinger böte 200 000 Arbeitsplätze, der Status Quo nur 140 000.

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Aber das Benzin und Heizöl werden teurer!

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Initiative Wirtschaft

Ja: Bevor Heizöl und Benzin im Jahr 2050 ganz vom Markt verschwinden, werden sie sich verteuern. Doch entscheidend für die Konsumentinnen und Konsumenten ist nicht, was ein Liter Öl oder Benzin kostet. Sondern wie viel kostet, wofür man Öl oder Benzin heute braucht: die geheizte Stube oder die persönliche Mobilität. Wenn Energie zwar teurer wird, man aber gleichzeitig mit weniger Energie heizen oder mobil sein kann, spart man am Ende doch Geld. Neue Energietechniken können die alten, auf fossiler Energie beruhenden ersetzen, und die Energie aus erneuerbaren Quellen wird im Vergleich zu Erdöl und Erdgas immer billiger. Zudem könnte eine intelligentere Verkehrs- und Raumplanungspolitik dafür sorgen, dass – dank kürzerer Wege – mehr Mobilität mit weniger Verkehr möglich wird. Damit Klimapolitik aber nicht auf dem Buckel der Armen stattfinden, schreibt Artikel 4 der Gletscher-Initiative Sozialverträglichkeit vor.

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Ist es nicht unsozial, wenn Benzin und Heizöl teurer werden?

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Initiative Wirtschaft

Nein. Absatz 4 der Gletscher-Initiative sieht vor, dass die Klimapolitik sozialverträglich auszugestalten sei. Es ist dafür zu sorgen, dass Alternativen bestehen – im Mobilitätsbereich etwa der öffentliche Verkehr,der in der Schweiz ja sehr gut ausgebaut ist. Von einer Lenkungsabgabe, die an die Bevölkerung zurückverteilt wird, werden Ärmere sogar profitieren: Wer weniger fossile Energie konsumiert als der Durchschnitt, bekommt mehr Geld zurückerstattet, als er in Form der Abgaben bezahlen muss.

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Welche Chancen bietet die Gletscher-Initiative der Wirtschaft?

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Initiative Wirtschaft

Der technologische Umbau muss weltweit stattfinden. Die Schweiz kann mitmachen und den Umbau als Chance nutzen – oder sie kann abseits stehen. Nutzt die Schweiz den Umbau als Chance, indem sie beispielsweise klimafreundliche Techniken entwickelt, trägt sie auch über die Landesgrenzen hinaus zur Lösung der Klimakrise bei. Doch natürlich kennt jeder Wandel Gewinner und Verlierer. Die Erdölwirtschaft muss zu den Verliererinnen gehören. Sie wird sich wehren. Aber es gibt keinen Grund anzunehmen, die Wirtschaft als Ganze werde geschädigt. Falls gewisse Produktionsprozesse in der Schweiz durch klimapolitische Instrumente verteuert werden, darf das nicht zu einem Nachteil für die einheimische Wirtschaft führen. Absatz 4 der Gletscher-Initiative ermöglicht Instrumente, um solche allfälligen Nachteile auszugleichen.

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Das ist doch extrem!

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Initiative

Nein. Es ist eine grosse Aufgabe, aber keine extreme Forderung. Wenn die Schweiz die Gletscher-Initiative umsetzt, vollzieht sie nur, was 2015 die Mitglieder der Uno im Konsens beschlossen haben. Unsere Forderung ist nicht extrem – aber radikal, in dem Sinne, dass es ein Problem an seiner Wurzel packt.

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Müssen wir verzichten?

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Initiative Wirtschaft

Immer, wenn die Welt sich verändert – und sie verändert sich stets –, müssen gewisse Leute auf gewisse Dinge verzichten – während es anderes zu gewinnen gibt. Die Frage müsste also anders gestellt werden: Worauf müssen wir verzichten? Und da gibt es ja einiges, worauf die meisten ganz gern verzichten würden: Lärm, Abgase und Feinstaub beispielsweise… Unser heutiger Umgang mit Energie ermöglicht nicht nur Freiheiten: Er verursacht auch Zwänge, die sparsames Verhalten erschweren. Es geht nicht darum, Enthaltsamkeit zu erzwingen. Sondern darum, ein gutes Leben mit weniger Ressourcenkonsum zu ermöglichen – und beispielsweise dank guter Raumplanung mehr Mobilität mit weniger Verkehr.Immer, wenn die Welt sich verändert – und sie verändert sich stets –, müssen gewisse Leute auf gewisse Dinge verzichten – während es anderes zu gewinnen gibt. Die Frage müsste also anders gestellt werden: Worauf müssen wir verzichten? Und da gibt es ja einiges, worauf die meisten ganz gern verzichten würden: Lärm, Abgase und Feinstaub beispielsweise… Unser heutiger Umgang mit Energie ermöglicht nicht nur Freiheiten: Er verursacht auch Zwänge, die sparsames Verhalten erschweren. Es geht nicht darum, Enthaltsamkeit zu erzwingen. Sondern darum, ein gutes Leben mit weniger Ressourcenkonsum zu ermöglichen – und beispielsweise dank guter Raumplanung mehr Mobilität mit weniger Verkehr.

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Müssen wir den Lebensstil ändern?

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Netto-Null

Wenn es nicht gelingt, die Erwärmung zu begrenzen, werden Hitze, Dürre, veränderte Niederschlagsmuster und Unwetterkatastrophen Lebensstiländerungen in grossem Ausmass erzwingen – vielerorts tun sie das heute schon. Auch Massnahmen zur Begrenzung des Klimawandels werden Lebensstiländerungen mit sich bringen. Doch solche Änderungen kann man planen und kann darüber befinden; bei Katastrophen und Notmassnahmen wird das nicht der Fall sein. Und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass der Lebensstil in einer klimaverträglichen Welt schlechter sein wird als unserer heute. Im Gegenteil: Der 1,5-Grad-Spezialbericht des Uno-Klimarats IPCC vom Oktober 2018 zeigt, dass die Auswirkungen einer ambitionierten Klimapolitik auf die Entwicklungsziele der Uno (Reduktion von Armut, Hunger und so weiter) mehrheitlich positiv sein werden.

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Wird man noch fliegen können?

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Netto-Null

Wir wissen nicht, wie die technischen Möglichkeiten der Zukunft genau aussehen. Heute verursacht die Fliegerei in der Schweiz rund ein Fünftel der Treibhausgasemissionen. Mit 9000 Flugkilometern pro Kopf und Jahr (2015) sind wir Schweizerinnen und Schweizer ein Land extremer Vielflieger – bei hohen Wachstumsraten. Wie immer die technische Entwicklung aussehen wird: So viele Flugkilometer, wie die Schweizerinnen und Schweizer sie zurücklegen, dürften klimaverträglich kaum je möglich sein. Das Fliegen ist heute gegenüber anderen Reisemitteln vielfach direkt und indirekt subventioniert. Dadurch können in vielen Fällen beispielsweise Nachtzüge nicht mithalten. Wären die Spiesse gleich lang, gäbe es mehr und bessere Zugsverbindungen.

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Wird man noch Fleisch essen können?

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Netto-Null

Ja. Auch in einer nachhaltigen Landwirtschaft spielt die Tierhaltung eine wichtige Rolle. Die Gletscher-Initiative äussert sich nicht explizit zur Fleischproduktion. Soweit die Tierhaltung Treibhausgase produziert, müssen für die entsprechenden Emissionen Senken bereitstehen. Die Landwirtschaftsgesetzgebung muss konsequenter auf Umweltverträglichkeit ausgerichtet werden. Viele Futtermittel für die Schweizer Tierhaltung werden importiert. Die Aussenhandelspolitik der Schweiz muss gewährleisten, dass keine Futtermittel importiert werden, für deren Produktion Wälder gerodet und Feuchtgebiete trocken gelegt werden, denn die Zersrörung dieser Ökosysteme verursacht enorme Mengen Treibhausgase. Der Fleischkonsum der Schweiz pro Kopf ist im internationalen Vergliche hoch. Wollten alle Menschen auf der Welt so viel Fleisch (und Milchprodukte) essen, würde die Welternährung kollabieren. Eine Reduktion des Pro-Kopf-Fleischkonsums ist sowohl aus ökologischen Gründen wie aus sozialen Gründen angezeigt.

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Was bringt ein Alleingang der Schweiz?

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Initiative

Ein Alleingang brächte wenig. Aber die Schweiz handelt nicht allein: Sie hat sich im Rahmen der internationalen Klimadiplomatie völkerrechtlich verpflichtet – wie alle anderen. Alle Staaten müssen ihre Treibhausgasemissionen auf null senken – die reichen Länder schneller als die anderen. Schweden hat 2017 ein Gesetz erlassen, um seine Emissionen bis 2045 auf netto null zu senken. Die spanische Regierung hat ein entsprechendes Gesetz angekündigt. In Finnland haben sich sämtliche Parteien auf das Ziel geeinigt, die Emissionen im Verlauf der 2040er Jahre deutlich unter null zu senken. Und die Europäische Kommission empfahl den EU-Mitgliedstaaten im November 2018, das Ziel «netto null» bis 2050 anzustreben.

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Was sagt die Gletscher-Initiative zur Atomkraft?

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Initiative

Nichts. Die Schweiz hat beschlossen, die bestehenden Atomkraftwerke so lange zu betreiben, als sie sicher sind, sie danach aber nicht zu ersetzen. Die Gletscher-Initiative ändert an diesem Entscheid nichts. Manche meinen, der Druck, künftig wieder vermehrt auf Atomkraft zu setzen, nehme zu, wenn die fossilen Energieträger aufgegeben werden. Wissenschaftliche Modellrechnungen zeigen, dass es auch ohne geht – durch einen Ausbau der erneuerbaren Energien und eine sparsamere Energienutzung.

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Muss man die ganze Schweiz mit Windrädern und Solarpanels überziehen, wenn es keine fossile Energie mehr gibt?

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Netto-Null

Nein. Bisherige Vorschriften des Natur-, Gewässer-, Landschafts- oder Heimatschutzes bleiben in Kraft und müssen auch bei einem Ausbau erneuerbarer Energieanlagen respektiert werden. Es geht nicht darum, den heutigen, sehr hohen Energieverbrauch eins zu eins zu ersetzen. Man kann Energie viel besser nutzen, als es heute geschieht. Die so genannte 2000-Watt-Gesellschaft sieht vor, den Energieverbrauch pro Kopf um zwei Drittel zu senken. Zahlreiche Städte und Kantone haben sich zu diesem Ziel bekannt. Gewiss: Die Kapazitäten der erneuerbaren Stromproduktion müssen ausgebaut werden, und die meisten Formen erneuerbarer Energie beanspruchen mehr Fläche als die fossile Energie. Es geht darum, an jedem Standort das zu tun, was sinnvoll ist. Für grosse Windkraftwerke eignet sich die Schweiz kaum. Für Solarpanels sind noch sehr viele Flächen im überbauten Gebiet verfügbar (etwa Hausdächer).

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Was sagt die Gletscher-Initiative zum Finanzplatz?

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Initiative

Die Schweiz ist ein kleines Land, aber ein grosser Player auf dem globalen Finanzmarkt. Das Pariser Übereinkommen fordert, dass auch die Finanzmitttelflüsse mit dem Ziel einer treibhausgasfreien Welt in Einklang gebracht werden. Trotzdem investieren Schweizer Banken, Versicherungen und Pensionskassen nach wie vor in Anlagen der Kohle-, Erdöl- und Erdgasgewinnung. Die Gletscher-Initiative enthält keine Bestimmung zum Finanzplatz. Bis sie angenommen ist und das Ausführungsgesetz in Kraft ist, dürfte es 2028 werden. Das ist zu spät: Die Investoren müssen sich so bald als möglich aus den fossilen Anlagen zurückziehen. Deshalb befürworten wir Bestimmungen zum Finanzplatz im Rahmen der Revision des CO2-Gesetzes.

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Was sagt die Gletscher-Initiative zu den Grauemissionen?

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Initiative

Der grösste Teil der Treibhausgasemissionen, die der Schweizer Konsum verursacht, fällt nicht in der Schweiz, sondern im Ausland an, wo diese Produkte mehrheitlich produziert werden. Man spricht von «Grauemissionen». Die Gletscher-Initiative kann keine Vorschriften erlassen, wie in anderen Ländern produziert wird. Im Rahmen des Pariser Übereinkommens sind aber auch diese Länder verpflichtet, ihre Emissionen zu eliminieren. Absatz 4 der Gletscher-Initiative ermöglicht zudem, dass allfällige Nachteile für die einheimische Wirtschaft mit geeigneten Massnahmen ausgeglichen werden. So verhindern wir, dass emissionsintensive Industrien einfach ins Ausland abwandern und dort weiter emittieren – statt ihre Emissionen zu reduzieren.

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Was sagt die Schweizer Bundesverfassung dazu?

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Initiative

Der vorgeschlagene Artikel 74a konkretisiert bestehende, bislang unerfüllte Ziele der Bundes­ver­fassung: Art. 2: «Die schweizerische Eidgenossenschaft setzt sich ein für die dauer­haf­te Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen (…).» Art. 10: «Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben.» Art. 73: «Bund und Kantone streben ein auf Dauer ausgewogenes Ver­häl­tnis zwischen der Natur und ihrer Erneuerungsfähigkeit einerseits und ihrer Beanspruchung durch den Menschen anderseits an.» Art. 74: «Der Bund erlässt Vorschriften über den Schutz des Men­schen und seiner natürlichen Umwelt vor schädlichen oder lästigen Einwirkungen. Er sorgt da­für, dass solche Einwirkungen vermieden werden. Die Kosten der Vermeidung und Beseitigung tra­gen die Verursacher.» Art. 89: «Bund und Kantone setzen sich (…) ein für eine (…) umweltverträgliche Ener­gie­versorgung (…).»

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Verbietet die Initiative auch die Einfuhr von Kunststoffen, die aus fossilem Kohlenstoff hergestellt ist?

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Initiative

Nein. Wenn solche Kunststoffe in einer Kehrichtverbrennungsanlage verbrannt werden, entsteht CO2. Diese Emissionen sind von Artikel 2 der Initiative erfasst: Sie bleiben nur zulässig, soweit Senken die entsprechenden Emissionen zu neutralisieren vermögen. Die Kunststoffherstellung braucht Kohlenstoff. Heute stammt dieser Kohlenstoff zumeist aus Erdöl. Man kann ihn aber durch Kohlenstoff ersetzen, den man aus pflanzlichen Abfällen gewinnt oder der Atmosphäre entzieht.

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Wie ergänzen sich Klimaschutz und globale Entwicklung?

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Netto-Null Klimawissen

Der Spezialbericht des IPCC vom Oktober 2018 zeigt: Die ambitioniertesten Pfade der Emissions-Reduktion tragen als Nebeneffekt dazu bei, dass die Armut verringert und die Uno-Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals) leichter erreicht werden. Das widerlegt das Argument, Klimapolitik sei schlecht für die Entwicklungsländer. Ein Zögern wäre also auch aus diesem Grund unverantwortlich. Dabei ist klar: Es wäre zynisch, von den so genannten Entwicklungsstaaten Anstrengungen zu erwarten, ohne selber voranzugehen. Das Rahmenabkommen der Uno zum Klimawandel von 1992 (UNFCCC) hält fest, dass die Staaten entsprechend ihren unterschiedlichen Verantwortlichkeiten und Fähigkeiten handeln müssen. Die Schweiz hat als früh industrialisiertes Land überproportional zum Klimawandel beigetragen. Heute hat sie als reiches, innovatives Land bessere Möglichkeiten als andere. Sie ist also doppelt in der Pflicht.

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Der technische Fortschritt bringt sowieso effizientere Technik und neue Energien hervor. Genügt es nicht, den Markt spielen zu lassen?

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Netto-Null Wirtschaft Initiative

Nein: Die Technik wird uns nicht retten. Aber Technik ist ein wichtiger Faktor. Technik entwickelt sich immer unter gewissen politischen Rahmenbedingungen. Oft hindern so genannte Pfadabhängigkeiten neue Techniken, die eigentlich vorteilhaft wären, an einem Durchbruch. Um der Klimakrise beizukommen, bedarf es einer technologischen Transformation. Die Voraussetzungen dafür muss die Politik schaffen.

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Weshalb heisst die Initiative «Gletscher-Initiative?»

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Initiative

Das Verschwinden der Gletscher ist die augenfälligste Folge des Klimawandels hier in der Schweiz. Gletscher speichern Wasser; ohne Gletscher droht in der Zeit der Schneeschmelze Hochwasser, während im Sommer Bäche und Flüsse versiegen können. Der grössere Teil der heutigen Gletscher wird schmelzen – selbst wenn die Ziele des Pariser Abkommens erreicht werden. Die sterbenden Gletscher sind ein Fanal. Was hier geschieht, muss in anderen Bereichen verhindert werden. Denn es geht um viel mehr als «nur» um die Gletscher: um die Nahrungsproduktion, die Gesundheit, die Artenvielfalt, die wirtschaftliche Produktion, politische Stabilität … und letztlich um das Überleben der menschlichen Zivilisation.

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Wer steht hinter der Gletscher-Initiative?

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Initiative

Der Verein Klimaschutz Schweiz ist ein 2018 gegründeter, unabhängiger und überparteilicher Verein. Er hat im Januar 2019 die Lancierung der Gletscher-Initiative beschlossen. Der Verein ist unabhängig – aber nicht allein: Selbstverständlich arbeitet er mit bestehenden Organisationen und Parteien zusammen, die seine Ziele teilen. Wie der Verein ist auch das Initiativkomitee breit abgestützt. Von fast jeder grossen Partei der Schweiz sitzt ein Bundesparlamentarier oder eine Bundesparlamentarierin im Komitee. Ausserdem sind vertreten: die Jugend und das Alter, die Wissenschaften und die Wirtschaft, die Landwirtschaft und der Wintersport, die Kirchen, Männer und Frauen, Personen aus allen Landesteilen.

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Adèle Thorens
Ständerätin Grüne
«Die Gletscher-Initiative ist nötig, weil die Mehrheit des Parlaments die Klimakrise nicht ernst nimmt. Die Bevölkerung muss Druck aufbauen, sodass endlich mutige Entscheidungen getroffen werden. Die Zukunft unserer Kinder hängt davon ab.»